La Volerie des Aigles.

 

  

 

 

 

 

Um Greifvögel abzurichten, braucht es zweierlei: die Liebe zu den Tieren und den Willen, sie zu beschützen. Das ist auch der Grundsatz der Greifvogelwarte Kintzheim.

Es kann mehrere Jahre dauern, bis ein Tier gelernt hat, auf dem Handschuh des Falkners zu landen und sich vom Publikum nicht erschrecken zu lassen.

Deshalb sind die Schlüsselworte eines Falkners: Geduld und Ausdauer.

Hören wir doch einmal, was der älteste Geier im Park zur Abrichtung zu sagen hat:

 

 

 

 

„Als ich hier angekommen bin war ich noch jung, aber schon ausgewachsen. Ich hatte gerade meine Eltern verlassen. Mit ungefähr vier Monaten schicken sie uns Kinder raus in die Welt, damit sie uns im nächsten Winter nicht mehr durchfüttern müssen.

Damals hatte ich noch Angst vor den Menschen. Ich wollte fliehen, so weit wie möglich weg. Das wäre ein leichtes für mich gewesen, bei meiner Größe. Ich wusste, dass der Mensch eine Gefahr für uns Vögel bedeutet und dass man sich ihm nicht nähern darf! Doch dann hat sich ein Falkner um mich gekümmert, der mir Vertrauen eingeflößt hat. Er hat Stunden, Tage und Wochen damit zugebracht mir zu zeigen, dass weder er noch irgend ein anderer Mensch um mich herum, eine Gefahr für mich bedeuten könnten. Am Anfang hatte ich sogar Angst vor Ästen, die sich im Wind bewegen.

Außerdem habe ich mich am Anfang geweigert, vor dem Falkner zu fressen und habe mich dann lieber zurückgezogen. Aber er hat mir gezeigt, dass er mir meine Nahrung nicht stiehlt und mich auch nicht austricksen will. Er hat versucht, sich in mich hineinzuversetzen, um herauszufinden, was mir passte und was nicht.

 

Als ich dann langsam Vertrauen gefasst hatte, hat er angefangen, die Nahrung etwas weiter entfernt von mir zu platzieren, damit ich sie mir selbst hole. Zuerst hat er sie nur wenige Zentimeter vor mich hin gestellt. Aber ich wollte nichts davon fressen. Ich kannte diesen Trick schon von meinen Eltern. Auf diese Weise wollten sie mir das Stehlen beibringen. Ich wusste also, was der Falkner von mir wollte: ich sollte wieder stehlen.

Vorbei waren die schönen Zeiten des Gefüttert Werdens. Auch wenn es scheint, als würden wir Geier den ganzen Tag herumfliegen: in Wirklichkeit verbringen wir 80% unserer Zeit im Ruhezustand. Bei uns gibt es nämlich nur nützliche Flüge: Nahrung suchen, auf Frauenfang gehen und vor Gefahren fliehen. Er wollte also, dass ich stehle? Sehr schön, dann fing ich also an zu stehlen! Ich wollte mich gerade in die Lüfte schwingen, weit weg von dieser Burg, und nie wieder kommen.

 

Gerade hatte ich zum Flug angesetzt und... kam keine zwei Meter weit. Gar nicht dumm, dieser Mensch! Er hatte mich an die Kette gelegt. Na gut, in Ordnung, ich werde wohl für mein Geld arbeiten müssen. Zuerst waren es 10 cm, dann 20, dann 50, dann ein Meter, danach zwei. Ja, und dann hat er mich losgemacht, damit ich in Freiheit fliegen konnte. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Flüge. Am Anfang ist es mehr als einmal vorgekommen, dass ich mich verflogen habe und manchmal war ich noch nicht mal mehr in der Nähe der Burg!

Glücklicherweise hat mein Falkner mich immer wieder gefunden. Ich glaube, dass er mir deshalb auch ein kleines Röhrchen an den Schwanzfedern befestigt hat. Er hatte so eine große Maschine, die immer einen Ton gemacht hat, wenn er sich genähert hat und verstummte, wenn er sich wieder von mir entfernte. Irgendwann hab ich mitbekommen, dass die Menschen das Ding Peilsender nennen.

Manchmal musste ich zwar mehrere Stunden warten, aber er hat mich jedes Mal gefunden. Ich konnte ihm absolut vertrauen, er hat mich immer wieder nach Hause gebracht. Auf unserer Burg gibt es nämlich keine Räuber, keine Wilderer und auch keine vergiftete Nahrung. Außerdem hält man uns hier Viren und Bakterien vom Leib und man sucht uns eine Freundin... damit treffen sie zwar nicht immer unseren Geschmack, aber gut, so sind sie halt die Menschen...

 

Durch all diese Flugerfahrungen habe ich die Region ziemlich gut kennen gelernt.

 

Kurzum: Heute lassen die Menschen mich fliegen, wenn das Wetter gut ist, um Gleitflüge hoch in den Lüften zu unternehmen. Wenn das Wetter nicht mitspielt - dann lastet mein nasses Gefieder schwer auf mir und es kommen die alten Rheuma-Beschwerden zurück - bleibe ich einfach zu Hause!“